So wie du Menschen siehst, so führst du sie
Was wäre, wenn du gar kein Mitarbeiter:innen- sondern ein Menschenbild-Problem hast?
Wie du über Menschen denkst, entscheidet darüber, wie du führst, wie du kommunizierst und was du in deinem Unternehmen überhaupt wahrnimmst.
Ob du Fehler siehst oder Potenzial.
Ob du Widerstand spürst oder Unsicherheit erkennst.
Ob du kontrollierst oder wirklich verstehst.
Die meisten Führungskräfte glauben, sie reagieren auf Verhalten. In Wahrheit reagieren sie auf ihre eigene Interpretation davon.
Und genau hier liegt der Knackpunkt:
Wir sind darauf programmiert, zuerst das zu sehen, was nicht funktioniert. Fehler, Schwächen, fehlende Motivation. Doch dieser Blick verzerrt unsere Wahrnehmung und beeinflusst jede Entscheidung, jedes Gespräch und jede Reaktion im Alltag.
In diesem Artikel erfährst du, warum das so ist, was wirklich hinter dem Verhalten von Menschen steckt und wie eine neue Sichtweise nicht nur deine Führung verändert, sondern auch die Dynamik in deinem gesamten Unternehmen.
Inhaltsverzeichnis
Unser Blick auf Menschen
Es liegt in der Natur des Menschen immer nur das Schlechte, die Fehler, die Faulheit aber auch die Unfähigkeit und Unzuverlässigkeit in Menschen zu sehen.
Wir fokussieren uns auf Probleme die unsere Mitmenschen verursachen, das Falsche das sie gesagt oder getan haben oder die Dinge die nicht erledigt wurden.
Wenn wir geschriebene Worte lesen, sei es nun in einer Email, einer Nachricht oder einem Social Media Post fokussieren wir uns nur allzu oft darauf, welche negativen Absichten sich dahinter verstecken könnten. Wir erkennen Respektlosigkeit, Dreistheit, Frechheit, Unverschämtheit, Blödheit und Maßlosigkeit. Je öfter wir diese Worte lesen, desto schlechter fühlen sie sich an, desto entsetzter und enttäuschter sind wir.
Wir bewerten Personen unentwegt anhand ihrer Schwächen, Makel, Boshaftigkeit und Mutwilligkeit wenn sich ein anderer Mensch nicht so verhält, wie wir es uns erwarten oder vorstellen.
Wir kritisieren und verurteilen Menschen unentwegt.
Botschaft: Wir sehen zuerst, was nicht funktioniert – nicht den Menschen dahinter.
Reflexion:
- Wann hast du zuletzt einen Menschen genau so bewertet?
- Was hat diese Bewertung in dir ausgelöst?
- Wie hast du dich danach diesem Menschen gegenüber verhalten?
Wir sehen zuerst, was nicht funktioniert – nicht den Menschen dahinter.
Auf der anderen Seite gibt es nur sehr wenige Situationen in denen wir das Positive, das Gute erkennen, nämlich immer nur dann wenn Leistungen erbracht werden. Diese wenigen Momente in denen es uns nicht schwer fällt, kann man auf einer Hand abzählen. Die restliche Zeit unseres Alltags, unseres Zusammenlebens und Zusammenarbeitens sehen wir nur was nicht funktioniert.
Alles deutet daraufhin, dass diese Denkweise, diese Haltung, diese Einstellung nicht nur unseren Mitmenschen schadet, sondern vor allem uns selbst.
Reflexion:
- Wenn du über deine Mitarbeiter:innen nachdenkst, darüber wie sie sich in der letzten Woche verhalten haben, wofür bist du dankbar? Nenne 3 Beispiel und beschreibe warum du dafür dankbar bist.
Was wir oft nicht sehen
Ist die Verletzlichkeit, die Verwundbarkeit, die Unsicherheit, die Hilflosigkeit, die Machtlosigkeit, die Überforderung oder die mächtige Angst. Angst vor Enttäuschungen, Angst davor Fehler zu machen, Angst davor nicht zu entsprechen oder die Angst davor andere Menschen zu verletzen.
Willenskraft und Veränderung
Ja es ist wahr, dass viele Menschen daran scheitern Veränderungen durchzuziehen.
Der Grund dafür liegt aber nicht in der allgemeinen Überzeugung, dass ein Mensch in so einer Situation nicht fähig ist oder nicht will. Sondern vielmehr daran, dass Willenskraft/Selbstdisziplin wie ein Muskel funktioniert. Und wenn dieser durch andere Tätigkeiten im Laufe eines Tages, einer Woche, eines Monats zu stark beansprucht wird, dann lässt die Willenskraft nach und wir haben keine mehr um Veränderungen durchzuziehen.
Botschaft: Nicht fehlender Wille – sondern fehlende Muskelkraft.
Entscheidungen treffen
Wenn Menschen keine Entscheidungen treffen, dann liegt das nicht daran, dass sie unfähig sind Entscheidungen zu treffen oder das sie nie gelernt haben Entscheidungen zu treffen.
Es hat viel mehr damit zu tun, dass sie sich unsicher und machtlos fühlen und sehr oft mit den eigenen Gedanken und Emotionen in der Gegenwart überfordert sind. Deshalb halten sie sich mehrere Möglichkeiten offen, aus Angst davor die falsche Entscheidung zu treffen.
Botschaft: Unsicherheit und Machtlosigkeit blockiert Entscheidungen.
Handeln und Selbstbild
Ob Menschen handeln oder nicht handeln hat wenig bis gar nichts damit zu tun, ob sie es wollen oder nicht. Sondern einzig und alleine damit, dass sie es sich einfach nicht vorstellen können. Menschen denken und handeln immer im Einklang mit dem was sie für die Wahrheit über sich selbst halten.
Botschaft: Menschen handeln nach ihrem Selbstbild – nicht nach ihrem Potenzial.
Was wir dabei nicht merken
Ist die Wirkung auf uns selbst. Unser Blick auf andere beeinflusst direkt unser eigenes Selbstbild und Selbstwertgefühl. Mit dem ultimativen Resultat, das wir immer an uns selbst zweifeln.
Bin ich nicht gut genug? Schau ich nicht gut genug aus? Rieche ich nicht gut genug? Habe ich etwas falsches gesagt oder getan? Was habe ich falsch gemacht? Wieso kann mir dieser Mensch nicht in die Augen schauen? Wieso kann mich dieser Mensch nicht grüßen oder anlächeln?
Reflexion:
- Welche Gedanken kennst du von dir selbst?
- In welchen Situationen zweifelst du an dir?
- Was hat das mit deinem Blick auf andere zu tun?
Das positive Menschenbild
Um diese Unsicherheiten zu erkennen, brauchen wir eine neue Denkweise über Menschen – Ein positives Menschenbild. Eine Grundhaltung die es uns erlaubt, Menschen wegen ihren Schwächen nicht mehr zu kritisieren oder zu verurteilen, sondern anzuerkennen so wie sie sind.
Grundannahmen
Das positive Menschenbild geht davon aus, dass Menschen von Natur aus neugierig, wissbegierig und lernwillig sind. Diese Haltung glaubt daran, dass Menschen Dinge selbst tun wollen und deshalb selbstständig und eigenverantwortlich sind. Unsere Kinder zeigen es uns täglich mit der Aussage „ich kann das selbst tun“ vor.
Botschaft: Menschen wollen von sich aus wachsen und handeln.
Wachstum liegt in der Natur des Menschen
Fortschritt und Wachstum liegt in der Natur des Menschen.
Menschen wollen sich Ziele setzen, diese verfolgen und erreichen, dafür ist der Mensch geboren worden.
Diese Denkweise geht davon aus, dass der Mensch ehrgeizig ist und sich zur Erreichung sinnvoller Zielsetzungen bereitwillig Selbstdisziplin auferlegt.
Auch diese Wahrheit sehen wir jedesmal wenn eine Person bereit ist, etwas in seinem Leben zu verändern oder versucht etwas neues umzusetzen.
Botschaft: Der Mensch strebt von sich aus nach Entwicklung.
Arbeit als Quelle der Zufriedenheit
Dieses Menschenbild erkennt, dass der Mensch Arbeit als eine Quelle der Zufriedenheit sieht und Freude an seiner eigenen Leistung hat.
Der Mensch will sich von Natur aus einbringen und zu etwas beitragen.
Botschaft: Menschen wollen Teil von etwas sein und einen Beitrag leisten.
Fähigkeit zur Einsicht
Coaches und Führungskräfte die von diesem Menschenbild überzeugt sind, wissen, dass jeder Mensch zu einer tiefen Einsicht fähig ist.
Es gibt also keine Menschen, die zu dumm oder zu ungebildet sind, um nachzudenken. Wir sind alle lernfähig aber oft lernentwöhnt. Wenn sie daran nicht glauben würden, warum sollten sie es sich ansonsten antun Menschen zu coachen oder zu führen.
Botschaft: Jeder Mensch hat die Fähigkeit zu denken.
Mentale Fähigkeiten
Ein positives Menschenbild weiß über die höheren mentalen Fähigkeiten wie Vorstellungskraft, Neugierde, Denken, Wille und Intuition bescheid. Fähigkeiten die in jedem einzelnen Menschen vorhanden aber sehr oft verborgen sind. Selbst für einen Menschen selbst.
Menschliche Grundbedürfnisse
Das Wissen über dieses Menschenbild berücksichtigt auch die menschlichen Grundbedürfnisse, die jeder Mensch hat, wenn auch in unterschiedlich ausgeprägter Form.
Hierzu zählen, das Bedürfnis nach Anerkennung, Selbstverwirklichung, Bedeutung, Orientierung und Sicherheit. Aber auch weitere wie das Bedürfnis nach Liebe und Beziehung oder Spiel und Feiern. Wobei der Geltungsdrang – also der Drang danach „wichtig zu sein“ der Stärkste ist von allen.
Botschaft: Hinter jedem Verhalten steht ein Bedürfnis.
Schau dir einen Menschen an wie er sein sollte und er wird was er sein könnte.
Fazit
Das positive Menschenbild zu entwickeln, zu kultivieren, zu trainieren ist wichtig, um zu erkennen was wirklich hinter einem Verhalten steckt. Deshalb entscheidet dein Blick auf Menschen darüber, wie du führst, kommunizierst und wahrnimmst.
Nicht das Verhalten deiner Mitarbeiter ist der Ausgangspunkt. Sondern deine Haltung ihnen gegenüber.
Abschluss-Reflexion
- Welches Menschenbild hast du aktuell wirklich?
- Was würde sich in deinem Alltag verändern, wenn du Menschen anders siehst?
Cristoph Fabikan
